Ein Dorf siedelt um
Wann:
Sonntag 18. Mai 2025,
21:20 Uhr
Was:
Alte Heimat, neue Heimat?
Wo:
Siebenbürger Sachsen
Wer:
Siebenbürger Sachsen
Die Siebenbürger Sachsen stammten ursprünglich aus dem Gebiet der Erzbistümer Köln, Trier und Lüttich, also aus der Gegend um Luxemburg, Westerwald, Hunsrück und Eifel. Seit dem 12. Jahrhundert wanderten sie nach Siebenbürgen aus, das damals ein Teil des Königreichs Ungarn war – und in Ungarn waren damals alle Deutschen Sachsen. Im 16. und 17. Jahrhundert stand Siebenbürgen unter osmanischer Herrschaft, gehörte danach zur österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie und lag 1945 im Staatsgebiet von Rumänien.
1945 wurden Zehntausende Siebenbürger Sachsen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt. Ab 1948 begann die kommunistische Regierung, auch die Deutschstämmigen zu enteignen und ihren Besitz zu verstaatlichen. Ab dem Ende der 1950er Jahre begann eine steigende Emigrationswelle in Richtung Deutschland. Die Bundesrepublik kaufte Zehntausende frei. Ihren Höhepunkt erreichte der Exodus der Deutschen aus Rumänien mit der Öffnung des Eisernen Vorhangs in den Jahren 1990 bis 1992.
Die Gemeinde Kleinscheuern liegt acht Kilometer von Hermannstadt, heute Sibiu, entfernt. Hier lebten im Jahr 1977 noch 1163 Deutsche; bis zum Jahr 1992 war ihre Zahl auf 105 geschrumpft; und 2011 waren es nur noch 32.
Stadt und Kreis Heidenheim wurden zu einem Kristallisationspunkt, an dem sich seit 1945 viele Kleinscheuerner wieder zusammenfanden. Zu den bekanntesten zählt Georg Modjesch (1911-1993), der hier 1953 die Sonnen-Apotheke und 1958 die West-Apotheke gründete.
Was auffällt: Ganz anders als die Alteingesessenen pflegen die Kleinscheuerner ihre Tradition und ihr altes Brauchtum sehr intensiv in der neuen Heimat. Ihre Trachtengruppen beteiligen sich an Umzügen, auch die längst in Heidenheim geborenen jungen Leute lernen die traditionellen Tänze, es finden regelmäßig Heimattreffen statt und im Vereinsheim in Schnaitheim ist eine Heimatstube eingerichtet. Von hier haben wir das Puppenpärchen mit traditioneller Tracht für diese Ausstellung bekommen.