„Ich liebe das Schloss Hellenstein und die Enten in der Brenz.“
Wann:
Samstag 17. Mai 2025,
22:44 Uhr
Was:
Alte Heimat, neue Heimat?
Wo:
Vierteiliges Gemälde
Wer:
Nour Bsata
Nour Bsata aus Aleppo in Syrien erzählt ihre Geschichte:
„Am 23. November 2015 kam ich mit dem Flugzeug in München an, mit meinen drei Kindern und meinem Zertifikat als Architektin. Mein Mann lebte da bereits seit anderthalb Jahren in Deutschland. Er war drei Monate zu Fuß unterwegs gewesen, ein Jahr in Samos im Gefängnis gesessen, weil er die Grenze illegal passiert hatte. Die Schlepper haben sechstausend Euro kassiert, dafür hatten wir meinen Schmuck verkauft. Ich hatte in Aleppo studiert, mein Studium wurde hier anerkannt, die Deutschprüfung auf dem Niveau B2 ist bestanden und seit 2019 bin ich Mitglied in der Architektenkammer.
Im Jahr 2017 trennten wir uns als Paar. Es war für mich eine sehr schwierige Zeit, ohne Mann und eigene Wohnung. Drei Monate später war auch dies geschafft, ich hatte die erste eigene Wohnung gefunden.
In diesem Schwarz-Weiß-Bild habe ich meine damalige Situation festgehalten. Es zeigt mein viergeteiltes Herz in vier Bildern. Es symbolisiert die für mich schwere Aufgabe, es hier in Heidenheim als alleinerziehende Mutter von drei Kindern zu schaffen, uns eine Existenz aufzubauen. Eine große innere Zerrissenheit und viele offene Fragen bewegten mich damals. Was sagen die Leute zu Hause? Was denken die Menschen in Deutschland von mir? Wie finde ich neue Freunde? Was sagen die Leute in der alten und der neuen Heimat? Mit schwarzen Eddingstiften gezeichnet, symbolisiert das Bild gleichzeitig durch die Augen der Katze die Sicht der anderen auf mich. Hoffnung geben die Blumen, die den Kopf der Katze umgeben. Mein Vorname Nour bedeutet ‚Licht‘.“
Seit meiner Ankunft sind 10 Jahre vergangen, in denen ich mich nicht nur im Migrationsbeirat der Stadt Heidenheim engagiert habe, sondern bis heute leite ich ehrenamtlich einen Zeichenkurs in der Ostschule. Ich bin angekommen, Heidenheim ist mir und meinen Kindern Heimat geworden und ich bin froh, in einer demokratischen Gesellschaft integriert zu sein.
Ich liebe die Luft in Heidenheim, das Schloss und jede Ente in der Brenz!“
