„Einzelkind mit Inselkoller“

Wann:
Samstag 17. Mai 2025,
22:39 Uhr

Was:
Alte Heimat, neue Heimat?

Wo:
Schreibmaschine, Kochbuch

Wer:
Frances Shepherd

Frances Shepherd

Frances Shepherd


Frances Shepherd kam 1973 nach ihrem Deutschstudium von Großbritannien nach Heidenheim. Sie erzählt:

Bereits als Jugendliche hatte ich eine Brieffreundin in der Pfalz, die mich mehrfach zu sich einlud. Ich wurde in der Schule besser im Fach Deutsch und beschloss deshalb, dieses Fach zu studieren. Ich wollte Deutschlehrerin werden und interessierte mich schon immer für Geografie und unterschiedliche Kulturen. Mein Auslandssemester studierte ich in Tübingen und nach dem Abschlussexamen absolvierte ich ein Jahr als Assistant Teacher in Heidenheim am Schiller-Gymnasium. Man konnte damals nur ein Bundesland wählen, wo man dann landete, war Zufall. Alle Leute waren sehr freundlich zu mir, öfters fuhr ich auch einmal nach Tübingen, denn in Heidenheim war damals nicht so viel los.

Ich hatte hier auch gleich Anschluss, denn im Studium hatte ich eine Studentin aus Heidenheim kennengelernt, bei deren Familie ich in der ersten Zeit unterkam, für mich waren sie wie Ersatzeltern und ich fühlte mich hier sehr wohl. Insgesamt kam mir mein Dasein hier in Heidenheim wie ein verlängerter Urlaub vor.

Neben dem Gymnasium gab ich Englischunterricht bei Voith, wo ich meinen Mann kennenlernte. Wir bekamen zwei Kinder, danach bin ich bei der VHS eingestiegen und leitete den Bereich der Fremdsprachen. Erstmals konnte man in Heidenheim das Cambridge-Certificate erhalten, wo es ein Prüfungszentrum gab. Hier richtete ich auch den monatlich stattfindenden „Round Table“ ein, bei dem englische Konversation gepflegt wurde.

Ich wurde heimisch in Heidenheim, denn ich konnte hier meine Muttersprache unterrichten und das gab mir auch das Gefühl von Heimat. Nach der Zeit in der Volkshochschule gab ich Business-Englisch-Kurse an der Dualen Hochschule. Mein Mann war beruflich oft im Ausland und brachte ab und zu Gäste mit, die wir gerne bei uns hatten. Unser Freundeskreis wurde größer und wir sind gut vernetzt in Heidenheim.

Das Kochbuch habe ich aus Großbritannien mitgebracht. Es steht für ein Vorurteil, das mich entsetzte, das aber viele Deutsche hegten, die englische Küche hätte angeblich einen so schlechten Ruf. Ich war also immer bemüht, gegen dieses Vorurteil anzukämpfen, denn meine Mutter war eine sehr gute Köchin.

Heute engagiere ich mich ehrenamtlich in der Unterstützung von Geflüchteten aus Eritrea.“