Ein Pass, zwei Welten

Wann:
Samstag 17. Mai 2025,
22:39 Uhr

Was:
Alte Heimat, neue Heimat?

Wo:
Personalausweis

Wer:
N. N.

N. N.

N. N.

N.N. aus Sarajevo erzählt:

Der jugoslawische Pass war für mich mehr als nur ein Ausweisdokument, er war der Schlüssel zur Freiheit. In der Zeit des Kalten Krieges, in der sich der Osten und der Westen gegenseitig abschotteten, hatte Jugoslawien eine ganz besondere Stellung. Es war das einzige sozialistische Land, in dem man die Freiheit hatte, zwischen den beiden Welten hin und herzupendeln. Diese Freiheit war für mich eine Chance, die ich ergriff.

Ich reiste oft in den Westen. Dort gab es Dinge, die in Jugoslawien gefragt waren, die man dort aber nicht so leicht bekam: Jeans, Elektronik, Kosmetik. Aber auch im Osten gab es Waren, die im Westen schwer zu bekommen waren: Glaswaren aus der Tschechoslowakei, feine Pelze aus Polen.

Die Märkte in Jugoslawien waren voll von Menschen, die das Leben genossen. In dieser Atmosphäre fand ich meine Nische. Ich reiste mit meinem Auto über die Grenzen und bepackte es mit Waren, die für meine Landsleute von großem Wert waren. Ich wusste, was gebraucht wurde, und ich wusste, wie ich es zu einem guten Preis verkaufen konnte. Aber es war nicht nur der Gewinn, der mich antrieb. Es war die Möglichkeit, das Leben nach meinen eigenen Regeln zu gestalten, frei und unabhängig zu sein.

Die Grenze war für mich keine Trennung zwischen Ländern – sie war eher eine Verbindung zwischen zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Der Pass ermöglichte diese Verbindung.