Nichts als ein verblasstes Foto

Wann:
Samstag 17. Mai 2025,
22:32 Uhr

Was:
Alte Heimat, neue Heimat?

Wo:
Bilderrahmen mit Foto

Wer:
Renate G.

Renate G. mit Enkel Maurice

Renate G. mit Enkel Maurice

Frau Renate G. erzählt ihrem Enkel Maurice ihre Geschichte:


1953 war ich fünf Jahre alt. Die politische Lage in der DDR verschlechterte sich zusehends. So beschloss mein Vater, mit seiner fünfköpfigen Familie in den Westen überzusiedeln.


Am Ostersonntag in der Frühe fütterte er noch einmal feste die Tiere, damit sie den Tag über nicht schreien und unser Fortgehen nicht auffällt. Wir flohen aus dem Dorf Buberow in Brandenburg über Ostberlin nach Westberlin. Von dort flog man uns nach Hannover aus. Weiter ging es nach Weinsberg und weiter in das Flüchtlingslager Wilhelmsburg in Ulm. Während dieser Flucht wurden wir alle fünf krank und kamen in verschiedene Krankenhäuser. In einem dieser Krankenhäuser starb mein Bruder.


In der Wilhelmsburg hausten wir zu zwanzig Leuten in einem Raum. Um ein bisschen Privatsphäre zu schaffen, konnten wir nur Bettlaken aufspannen. In der Schule wurde ich damals beschimpft, dass „die Flüchtlinge alle stehlen“ würden.


1955 konnten wir dann in eine Wohnung nach Jungingen einziehen. Dort habe ich meinen zukünftigen Ehemann kennengelernt. 1965 zogen wir beide nach Giengen und heirateten dort ein Jahr später.


Das Foto von unserem Haus ist der einzige Gegenstand, der uns aus der alten Heimat in Brandenburg geblieben ist.