Die ganze Habe in einer Holzkiste
Wann:
Samstag 17. Mai 2025,
22:27 Uhr
Was:
Alte Heimat, neue Heimat?
Wo:
Holzkiste
Wer:
Familie Steidl
Familie Steidl war im 17. Jahrhundert nach Ungarn ausgewandert und lebte in Üröm, einem Ort in der Nähe von Budapest. Unter den Deutschen heißt der Ort dialektal Irm oder auch Erben. 1946 wurde die Familie von da ausgewiesen.
Diese originalen Holzboxen durften mit 50 kg Hausrat beladen werden. Ihr Inhalt war buchstäblich alles, was die Familie aus Ungarn mitnehmen durfte. Da der Ausbürgerungsbescheid Wochen vorher eingetroffen war, konnte sich die Familie vorbereiten.
Magdalena Steidl selbst kam zunächst mit ihrem Vater nach Nördlingen, musste dann aber nach Ungarn zurückkehren. Erst nach dem Ungarnaufstand im Jahr 1956 siedelte sie nach Deutschland über. In Gerstetten lernte sie ihren Mann kennen, der bereits zehn Jahre früher angekommen war. Dort bauten sie sich ein neues Haus und fanden im Landkreis Heidenheim eine neue Heimat.
Etwa 1310 Menschen kamen aus Ungarn in Heidenheim an, erzählt eine andere Zeitzeugin, Theresia Nemeth, in einem Interview. Gefragt, wie sie den Verlust der Heimat heute sieht, erklärt sie: „Wir hatten Glück, dass wir Ungarn verlassen mussten. Wir hatten in Deutschland ein viel besseres Leben, es ging uns viel besser als den Ungarn in den Zeiten des Kommunismus.“ Später hätten die Ungarn zu ihr gesagt: „Ihr habt auch den Herrgott mitgenommen, als Ihr gegangen seid.“
