Amaranthus dankt seiner Rettung aus einem Schiffbruch
Wann:
Samstag 17. Mai 2025,
22:16 Uhr
Was:
Alte Heimat, neue Heimat?
Wo:
Schüssel mit Inschrift
Wer:
Amaranthus
Die Scherben dieser zusammengesetzten und ergänzten Schüssel wurden 1980 bei Ausgrabungen im heutigen Museum im Römerbad gefunden. In ihren Rand wurde eine Weihinschrift geritzt.
Die Lesung der ergänzten Inschrift und deren Übersetzung aus dem Lateinischen lauten:
[Adorat tuum nume]n Erucina, hic, Amaranthus naufragi<o> fe[liciter ereptus]
Es betet an deine göttliche Allmacht, Erycina, hier, Amaranthus, nachdem er dem Schiffbruch glücklich entronnen ist.
Die Inschrift überliefert uns ein dramatisches Ereignis: Ein gewisser Amaranthus, ein häufiger, ursprünglich griechischer Name mit der Bedeutung „Tausendschön“, brachte der Erycina in dieser Schüssel ein heute unbekanntes Opfer dar. Das Opfer war der Dank für die Errettung aus einem Schiffbruch. Erycina war eine lokale Variante der Göttin Venus, deren Heiligtum sich einst auf dem mons Eryx, dem heutigen Monte Erice, an der Nordwestspitze Siziliens befand. Venus Erycina wurde auch von Seeleuten verehrt, die dort das Meer befuhren. Der Kult der Venus Erycina ist lokal und in den Nordwestprovinzen des Römischen Reiches ansonsten nicht nachgewiesen.
Eine von mehreren möglichen Interpretationen der Weihinschrift lautet, dass Amaranthus auf seinem Weg aus dem Mittelmeerraum nach Aquileia / Heidenheim in der Nähe des mons Eryx Schiffbruch erlitt, die Göttin um Hilfe anflehte und „hier“ (hic), am vermutlichen Zielort Aquileia / Heidenheim, ein Gelübde einlöste. Wenn wir auch den Anlass für die Reise des Amaranthus nach Aquileia / Heidenheim und die Dauer seines Aufenthaltes hier nicht kennen, so belegt dieser Fund doch eindrucksvoll, dass unsere Region zur Blütezeit des Römischen Reiches Teil eines weiten Netzes vielfältiger Beziehungen mit einem hohen Maß an Mobilität und Multikulturalität gewesen ist.
Keramik. Fundort: Heidenheim, 1. Hälfte 2. Jh. n. Chr. - Museum im Römerbad, Inv.-Nr. HiMu HDH 19806002K. Originalgetreue Kopie, Original: Archäologisches Landesmuseum Konstanz.
